Wir sind relevant, das System nicht…

Unter dem Motto „Wir sind relevant, das System nicht“ rufen wir als Aktionsbündnis 8. März zur Demonstration des Stuttgarter Krisenbündnisses am 18.07.2020 um 14:00 am Marienplatz auf. Die kapitalistische Krise trifft Frauen* in besonderem Maße, daher ist es wichtig, dass wir als Frauen anfangen Widerstand gegen dieses System zu organisieren!

 

 

Hier unser gesamte Aufruf:

Wir sind relevant, das System nicht.

Vorangetrieben durch die Ausbreitung des Corona-Virus befindet sich der Kapitalismus in einer seiner größten Krisen mit gravierenden Folgen für uns alle. Unser Alltag und das gesellschaftliche Leben sind gezeichnet von den Maßnahmen, die zur Eindämmung des Virus getroffen wurden und deren sozialen und ökonomischen Folgen. Doch unser Alltag war schon vor der Ausbreitung des Corona-Virus in der Krise. Am 8. März 2020 haben wir in Stuttgart zu einem Streik der unbezahlten Sorge- und Hausarbeit aufgerufen. Unsere Forderungen sind jetzt aktueller denn je: Sowohl der Verschärfung als auch einem Zurück zur patriarchalen Normalität setzten wir weiterhin unseren Widerstand entgegen.

Besonders Frauen* sind von dieser Krise betroffen

Gerade in den Berufen, die während der Corona-Krise als „systemrelevant“ bezeichnet wurden, arbeiten über 75% Frauen*. Sie halten bspw. in der Pflege, dem Lebensmitteleinzelhandel oder der Reinigungsbranche die Grundversorgung der Gesellschaft aufrecht. Gleichzeitig sind es eben diese Branchen, die von besonders schlechten Arbeitsbedingungen mit niedrigen Löhnen, hoher Belastung und Personalmangel gekennzeichnet sind.

Während in den Wochen der höchsten Beanspruchung dieser Bereiche die Danksagungen und verbale Anerkennung nicht abrissen, hat sich an den tatsächlichen Arbeitsbedingungen nichts verbessert. Ganz im Gegenteil: Im Einzelhandel sind viele Beschäftigte von Kurzarbeit und Entlassungen bedroht, während in Pflegeberufen Personaluntergrenzen aus- und Arbeitszeiten hochgesetzt wurden.

Dass Frauen* während der Corona-Krise besonders häufig in Kurzarbeit gehen, kommt nicht von ungefähr: Sie arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Berufen und in Teilzeit. Sie verdienen in Baden-Württemberg im Schnitt 26% weniger als ihre männlichen Kollegen. Niedrigere Löhne, Teilzeitbeschäftigung und Minijobs bringen vor allem Frauen in (Alters-)Armut. Bis heute beziehen Frauen in Deutschland ein geringeres Alterssicherungseinkommen als Männer – um genau zu sein, 20% weniger in Ost- und 48,8% weniger in Westdeutschland.

Es sind überwiegend Frauen*, die ihre Arbeit im Zuge der Shutdown-Maßnahmen reduzieren oder ganz zuhause bleiben. Sie federn damit den Großteil der Auswirkungen im häuslichen Umfeld ab. Die klassischen Geschlechterrollen und Aufgabenverteilungen verschärfen sich damit weiter: Neben dem Home-Office versorgen sie die Kinder, schmeißen den Haushalt, pflegen die Angehörigen und übernehmen somit einen noch größeren Teil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit.

Während für die einen die häusliche Isolation vor allem durch zusätzliche Arbeit gekennzeichnet ist, stellt das Festsitzen in den eigenen vier Wänden für viele Frauen* eine Gefahr für Leib und Leben dar. Schon vor der Krise war jede vierte Frau* im häuslichen Umfeld von Gewalt betroffen. Diese Zahl stieg unter den Shutdown-Maßnahmen noch weiter an. Den jetzt beschlossenen „Soforthilfe-Fonds“ über ca. 2 Millionen Euro als großzügige Unterstützung für Frauenhäuser und -beratungsstellen zu feiern ist pure Heuchelei: Diese Gelder, die jetzt für Schutzausrüstungen und neue Ausstattung in eben diesen Einrichtungen genutzt werden, waren ursprünglich für den dringenden Ausbau von Unterstützungsangeboten für Frauen* gedacht.

Unsere Antwort auf die Krise: Frauen*streik!

Konjunkturpakete sollen jetzt die Normalität vor Corona wiederherstellen. Dabei werden Milliarden in Unternehmen gepumpt. Bei den Beschäftigten und denen, die jetzt besonders unter der Krise leiden, kommt jedoch kein Geld an. Für uns steht fest: Wir wollen nicht Zurück zur Normalität vor der Krise! Kein Zurück zur systematischen Benachteiligung von Frauen*, kein Zurück in eine patriarchale Gesellschaft, die uns Frauen* ausbeutet!

Wir Frauen* werden in diesem System immer benachteiligt sein: Die doppelte Ausbeutung – durch Lohnarbeit sowie unbezahlte Haus- und Sorgearbeit – ist die Grundlage der kapitalistischen Produktion. Die Probleme dieser Produktionsweise, die nicht an den menschlichen Bedürfnissen, sondern am Profit orientiert ist, zeigen sich nun wie unter einem Brennglas. Eine grundlegende Veränderung unserer Gesellschaft ist notwendig!

Frauen* kämpfen weltweit gegen Gewalt an Frauen*, Femizide und für eine solidarische Gesellschaft. Wir verstehen uns als einen Teil dieser internationalen Bewegung. Der Streik der unbezahlten Sorge- und Hausarbeit im März war nur ein Anfang. Wenn wir Frauen* zu Hause und auf der Arbeit streiken, können wir die kapitalistische Normalität konkret in Frage stellen. Wir lassen nicht zu, dass die Krise jetzt auf unsere Kosten bewältigt wird. Wenn wir streiken, öffnen die Kitas nicht, werden Gebäude nicht gereinigt, bleiben Büros und Geschäfte geschlossen. Ältere Menschen würden nicht mehr gepflegt werden und Väter könnten nicht zur Arbeit, weil sie sich um die Kinderbetreuung kümmern. Ohne uns läuft nichts!

Wir wollen uns nicht weiter ausnutzen und klein machen lassen. Wir wollen nicht weiter für ein System in die Bresche springen, welches uns ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben als Frauen verunmöglicht.

Frauenunterdrückung und Kapitalismus abschaffen

 

Materialien:

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