Frauen*morde sichtbar machen!

Wir waren heute gemeinsam in Stuttgart Wangen um der Frau, die letzten Dienstag dort in ihrer Wohnung ermordet wurde, zu gedenken. Einige Frauen* stellten Kerzen auf und legten Blumen nieder.

Am Dienstag, den 28. Juli 2020, wurde die 55-Jährige Frau in ihrer Wohnung ermordet. Der aktuelle Stand der Ermittlungen ist, dass der Sohn sie umgebracht hat. Dabei ist es wichtig klarzustellen, dass diese Tat kein Einzelfall ist. Denn dieses Schicksal dieser Frau reiht sich in eine bittere Kontinuität von Morden an Frauen* ein. Das was hier geschehen ist, ist ein Femizid.

Was ist ein Femizid?

Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine (Ex-)Parterin zu töten, häufiger als jeden 3. Tag gelingt dies. Der Begriff Femizid erklärt jedoch nicht nur diese Morde, sondern auch alle weiteren, in denen Frauen* von einem Mann aus ihrem nahen Umfeld getötet werden. Wie auch im aktuellen Fall werden diese Morde meist als „Beziehungs- oder Familiendrama“ bezeichnet.

Jede Tat wird dabei als Einzelfall betrachtet. Es wird kein Zusammenhang hergestellt oder nach den Ursachen gefragt. Aber wie kann es sein, dass so viele Frauen* ermordet werden?

Sowohl die Frauen*morde selbst, als auch die Tatsache, dass sie verschwiegen und verharmlost werden haben ein System: Die Unterdrückung der Frau* in unserer Gesellschaft. Bis heute werden wir als Frauen* klein geredet. Uns soll weisgemacht werden, dass unsere Leistungen im Job oder im Haushalt oder der Kindererziehung nicht gut genug seien. Uns wird eingeredet, dass unsere Körper nicht den Idealen entsprechen würden. Und immer wieder kommt es vor, dass diese Unterdrückung in Kontrolle, psychischen Terror oder Gewalt bis hin zum Mord umschlägt.

Gewalt gegen Frauen* ist kein Einzelfall!

Deshalb wollen wir den ermordeten Frauen* gedenken. Und den Zusammenhang zwischen der alltäglichen Unterdrückung der Frau*, sexistischen Sprüchen und Femiziden öffentlich machen!

Auch weiterhin wollen wir unseren Widerstand praktisch werden lassen! Dafür treffen wir uns morgen, am 31.07., 17:00 im Unipark (Taubenschlag). Gemeinsam wollen wir uns über das Thema Femizid austauschen und uns auch weitere Formen des Widerstands überlegen.