Bericht zu Krisenprotesten 18.07.2020

Wir sind relevant – das System nicht

Die Krisenproteste am Samstag, dem 18.07.2020, standen ganz im Zeichen des Frauen*kampfes: Am Vormittag haben wir die Kundgebung in Solidarität mit den Beschäftigten von Karstadt-Sport unterstützt und im Anschluss einen frauen*kämpferischen Ausdruck mit kreativen Aktionen auf der Demonstration „Ihre Krise? Nicht auf unserem Rücken“ organisiert.

Für uns ist klar, dass wir gerade in aktuellen Krisenprotesten und Arbeitskämpfen eine explizit frauen*kämpferische Perspektive aufzeigen. Wir werden nicht weiter für ein System schuften und uns klein machen, das uns systematisch ausbeutet und unterdrückt. Denn: Wir sind relevant und nicht das System!

Seit Jahrhunderten werden Frauen* ausgebeutet – im Rahmen ihrer Lohnarbeit und im Rahmen der täglichen Haus-, Pflege- und Sorgearbeit. Ebensolange werden Frauen* sexistisch unterdrückt – von psychischer, über körperliche Gewalt bis hin zum Mord. Gerade jetzt, mehrere Wochen nach dem Corona-Lockdown und den ersten spürbaren Auswirkungen der Wirtschaftskrise, ist es zentral, gegen diese patriarchalen und kapitalistischen Zustände aktiv zu werden. Denn die aktuelle Krise spitzt die Situation für Frauen* noch weiter zu. Es sind hauptsächlich Frauen*, die für die ausfallende Kitabetreuung einspringen und die Kinder zuhause betreuen. Es sind hauptsächlich Frauen*, die in den hoch gelobten und trotzdem schlecht bezahlten und zu gering ausgestatteten Berufen arbeiten – bspw. der Pflege, dem Lebensmittelhandel oder der Reinigungsbranche. Und es sind Frauen*, die im Lockdown die zunehmende häusliche Gewalt spüren.

Daher werden wir aktiv…
Um 5 vor 12 ging es los mit einer ver.di-Solidaritätskundgebung mit den Beschäftigten von Karstadt-Sport in der Stuttgarter Königsstraße. Als Tochter-Filiale von Galeria-Karstadt-Kaufhof steht auch dieser Standort vor der Schließung und die Beschäftigten vor dem drohenden Jobverlust. Zwischen einigen anderen RednerInnen hat auch eine unserer Aktivist*innen eine Rede gehalten und damit nochmal auf die spezifische Situation von Frauen und unsere Kämpfe aufmerksam gemacht sowie die Notwendigkeit einer gegenseitigen Unterstützung betont.

Im Anschluss ging es weiter mit der Antikrisendemonstration, auf der wir mit einigen Doppelhaltern, die Teil unserer Kampagne „Frauenstreik 2021“ sind, auf uns aufmerksam gemacht haben. Es blieb aber natürlich nicht bei Präsenz, schicken Doppelhaltern und Parolen.

Gemeinsam mit Solidarität und Klassenkampf haben wir den Galeria-Karstadt-Kaufhof Chef René Benko markiert. René Benko behauptet durch die Corona Krise pleite gegangen zu sein, was ihn zwänge ein Drittel der 172 Filialen schließen zu müssen. Heißt: über 5000 Beschäftigte werden vor die Tür gesetzt. Doch nicht er muss am Hungertuch nagen. Es sind die Arbeiterinnen und Arbeiter, denen jetzt die Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen wird. Mehrheitlich sind es – wie so oft im Einzelhandel – Frauen*. Der Einzelhandel ist von besonders schlechten Arbeitsbedingungen mit niedrigen Löhnen, hoher Belastung und Personalmangel gekennzeichnet. Hinzu kommt, dass die betroffenen Frauen oft kurz vor der Rente stehen und jetzt kaum mehr eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.

An die Fensterfront der Kaufhoffiliale in der Eberhardtstraße wurden Plakate angebracht, während im Geschäft selbst einige Aktivist*innen eine kurze Durchsage in Solidarität mit den Beschäftigten hielten.

Eine Betriebsrätin einer Galeria-Karstadt-Kaufhof Filiale in der Königsstraße hielt spontan ein Grußwort. Auch wenn ihre Filiale nicht betroffen ist, richtete sie sich mit kämpferischen und solidarischen Worten an alle Betroffenen und machte eine klare Ansage: Der Kampf ist nicht vorbei! Nur wenn wir alle zusammenstehen, unabhängig vom Beruf, können wir etwas erreichen.

Denkmalverschönerung

Am Karlsplatz nutzten wir schließlich das übergroße Reiterdenkmal, um mit über 20 Frauen* ein 4x2m großes Plakat an den Sockel zu plakatieren. Ganze 133 Einzelteile wurden an der Wand befestigt.

Wenn wir Frauen* zu Hause und auf der Arbeit streiken, können wir die kapitalistische Normalität konkret in Frage stellen. Wir lassen nicht zu, dass die Krise jetzt auf unsere Kosten bewältigt wird. Wenn wir streiken, öffnen die Kitas nicht, werden Gebäude nicht gereinigt, bleiben Büros und Geschäfte geschlossen. Väter könnten nicht zur Arbeit, weil sie sich um die Kinderbetreuung kümmern müssten.

Ohne uns läuft nichts! Frauen*streik 2021

 

weitere Berichte zu den Protesten findet ihr unter:

Bericht und Fotos von Solidarität und Klassenkampf

Stuttgarter Nachrichten