1. Mai 2020 in Stuttgart

Auch wir haben uns letzten Freitag am 1. Mai, dem internationalen Arbeiter*innenkampftag, an verschiedenen Aktivitäten beteiligt. So waren wir gemeinsam bei der Ver.di-Kundgebung zum Thema Pflege vor dem Katharinenhospital und sind anschließend mit vielen Kundgebungs-TeilnehmerInnen Richtung Marktplatz gezogen um dort an der Kundgebung teilzunehmen.

Auf dem Weg durch die Stadt gab es einige Aktionen zur Stadtverschönerung unter dem Motto: „Nicht nur in der Krise – Ohne uns läuft nichts!“

Durch neonfarbene Plakate wurde auf die verschärfte Situation von Frauen* in der Corona-Krise aufmerksam gemacht.

Thema war dabei unter anderem der fast schon unmögliche Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, die gnadenlose Ausbeutung von Pflegekräften im Gesundheitswesen, die Doppelbelastung von Frauen* durch die unbezahlte Haus- und durch die Lohnarbeit sowie die steigende Gewalt an Frauen* durch die Isolation zu Hause und die nur unzureichenden Hilfsangebote.

Parallel dazu wurden mehrere Wäscheleinen mit Plakaten und Forderungen aufgehängt. Dabei ging es insbesondere darum, die doppelte Ausbeutung von Frauen* in der Lohnarbeit und durch die unbezahlte Hausarbeit und Kinderbetreuung sichtbar zu machen. Am internationalen Arbeiter*innenkampftag geht es um uns, die lohnabhängige Klasse, und um unsere Rechte und Forderungen sowie um die Perspektive einer befreiten, solidarischen Gesellschaft. Denn es ist klar, dass wir Frauen* im Kapitalismus immer benachteiligt sein werden. Das Patriarchat, ein über die Jahrhunderte gewachsenes Herrschaftssystem, ist eng mit dem Kapitalismus verknüpft und dieser profitiert wirtschaftlich ganz klar von der doppelten Ausbeutung der Frau*. Wenn all die unbezahlte Haus- und Reproduktionsarbeit, die Frauen* tagtäglich im Verborgenen zu Hause leisten, bezahlt werden würde, dann würde dieses System als solches nicht mehr funktionieren können.

Daher haben wir die Mehrarbeit, welche Frauen* leisten, in unseren Aktionen aufgegriffen und aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit getragen.

Den gesamten Tag über wurden Maßnahmen zur Einhaltung des Infektionsschutzes ergriffen, wie das Tragen von Masken und die Einhaltung von Mindestabständen.

Trotz der Corona-Krise fanden wir es wichtig an diesem Tag auf die Straße zu gehen, denn diese Krise bringt schwere Folgen für uns Frauen* mit sich. Entlassungen, Kurzarbeit und geschlossene Kitas treiben viele Frauen* in noch prekärere Lebenssituationen und Existenzsorgen. Daher dürfen wir jetzt nicht in einen reinen „Stay-at-home“ Modus verfallen, sondern müssen aktiv werden und uns organisieren – denn diese Krise darf nicht auf unserem Rücken ausgetragen werden!

Den Bericht zur Bündniskundgebung findet ihr hier

Im Anschluss an die Bündniskundgebung fand auch eine Demonstration statt. Bericht und Bilder findet ihr hier

— Fotos: Joachim Röttgers —