Fluchtursachen und das weltweite Patriarchat bekämpfen

Am 07. Dezember findet die dritte Demo unter dem Motto „Für eine Welt, in der niemand fliehen muss“ statt. Auch wir Frauen vom Aktionsbündnis 8. März rufen zur Beteiligung an der Demonstration auf.

Kommt am Samstag, den 07.12., um 14:00 Uhr in die Lautenschlagerstraße und beteiligt euch an den Protesten.

50 Prozent der flüchtenden Menschen sind Frauen*. Sie sind neben den Fluchtursachen, welche alle treffen, von frauenspezifischen Fluchtursachen betroffen. Frauen werden durch patriarchale Gewalt in allen Formen zur Flucht gezwungen. In Kriegen werden Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen systematisch als Waffe eingesetzt. Die Terrormilizen des sog. IS verschleppen und missbrauchen hunderte Frauen und Mädchen. Frauen fliehen vor Zwangsabtreibungen – meist weiblicher Föten, vor Genitalverstümmelungen, Zwangsheirat, Kinderehen und Frauenhandel. Das alles ist Ausdruck weltweiter gesellschaftlicher Verhältnisse, in denen die untergeordnete Rolle der Frau durch Familienstrukturen und durch Staaten legitimiert und zementiert wird.

Auch während der Flucht sind Frauen von sexueller Gewalt betroffen und ihr oftmals – aufgrund fehlender Schutzräume – ausgeliefert. Viele der Frauen fliehen allein, sind Mütter und müssen auf der Flucht nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben ihrer Kinder sichern. In den Lagern herrschen weiterhin patriarchale Strukturen, oft werden Frauen nicht als Familienoberhaupt angesehen und haben Probleme, Nahrung und medizinische Versorgung für sich und ihre Kinder zu besorgen. Um Fluchtkosten zu decken, geraten einige Frauen in Zwangsprostitution, die bis nach Europa reicht.

In deutschen Lagern angekommen, setzt sich die prekäre Situation durch Perspektivlosigkeit, einem zermürbenden Asylverfahren und verschiedenen Formen von Gewalt weiter fort. Frauen sind davon in besonderem Maße betroffen. Sie leben weiterhin in begrenzenden Familienstrukturen und sind oftmals alleine für die Kinderbetreuung verantwortlich. Das erschwert wiederum die Teilnahme an Sprachkursen oder an anderen selbstbestimmten Aktivitäten, da kaum adäquate Betreuungsangebote bestehen. Die Lager bieten kaum Schutzräume vor sexueller und häuslicher Gewalt. Hilfestrukturen sind für geflüchtete Frauen noch erschwerter zugänglich als für Frauen, die schon lange in Deutschland leben. Oft werden die frauenspezifischen Fluchtgründe in Deutschland nicht anerkannt und die betroffenen Frauen erhalten lediglich eine Duldung, statt eines sicheren Aufenthaltstitels. Eine Abschiebung setzt viele Frauen einer realen Todesgefahr aus.

Patriarchale Strukturen wirken weltweit. Auch in der deutschen Mehrheitsgesellschaft sind schlechtere Bezahlung, sexualisierte Gewalt, die Abwertung von Frauen in ihren Fähigkeiten, häusliche Gewalt bis hin zum Femizid (Frauenmord) bitterer Alltag. Solidarität mit geflüchteten Frauen heißt für uns somit, den patriarchalen und rassistischen Alltag hier vor Ort anzugehen.

Rassistische und reaktionäre Hetze trifft zuerst geflüchtete Menschen, wenn bspw. ein vermeintlicher „Feminismus“ im Sinne rassistischer Anliegen missbraucht wird. Er dient dann als Argumentationsstütze für Verschärfungen des Asylrechts oder wird, wie im Zusammenhang mit den Übergriffen Silvester 2015/2016 in Köln geschehen ist, instrumentalisiert. Gewalt gegen Frauen hat nichts mit Herkunft zu tun. Unser Feminismus ist und bleibt antirassistisch.

 

Alle Infos zum Bündnis „Für eine Welt, in der niemand fliehen muss“ findet ihr hier.

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